Polli hört ein Summen im Baum: Honigbienen, die keinem Imker gehören?

Polli hört ein Summen im Baum: Honigbienen, die keinem Imker gehören?

Polli bleibt mitten in der Luft stehen.

„Hörst Du das?“

Summmmmm.

Sie dreht eine kleine Runde um einen alten Baum. „Komm mit. Aber ganz langsam.“

Im Stamm ist eine Höhle. Und genau dort können tatsächlich Honigbienen leben.

Honigbienen ohne Bienenstock?

Viele Menschen kennen Honigbienen vor allem aus Bienenstöcken beim Imker. Dort kümmert sich ein Mensch um die Bienenvölker.

Aber Honigbienen können auch frei leben.

Solche Völker wohnen zum Beispiel in Baumhöhlen, Felsspalten oder manchmal in Hohlräumen von Gebäuden. Sie werden nicht von einem Imker betreut.

„Also Bienen, die ihr Zuhause selbst gefunden haben?“, fragt Polli.

Genau.

Forschende nennen sie wildlebende oder freilebende Honigbienen.

Und hier wird es wichtig: Es handelt sich nicht um eine völlig andere Bienenart. Es ist dieselbe Westliche Honigbiene, die auch von Imkern gehalten wird. Der Unterschied ist vor allem, wie und wo das Volk lebt.

Polli summt nachdenklich. „Dann muss man wirklich genau hinschauen.“

Warum machen sich Forschende Sorgen?

Forschende der Universität Hohenheim und von Agroscope in der Schweiz haben Daten aus mehreren europäischen Ländern untersucht.

Dabei zeigte sich: Wildlebende Honigbienenvölker gibt es durchaus. Aber viele dieser Bestände können sich offenbar nicht dauerhaft allein erhalten.

Die Forschenden berechneten, dass die wildlebenden Populationen in der Europäischen Union ohne neue Schwärme aus der Imkerei innerhalb von zehn Jahren im Mittel um ungefähr 56 Prozent zurückgehen könnten.

Deshalb wurden die wildlebenden Honigbienen in der EU auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft.

„Rote Liste klingt ein bisschen wie ein rotes Stoppschild“, sagt Polli.

Das ist gar kein schlechter Vergleich.

Eine Rote Liste sammelt Informationen darüber, wie gefährdet Tiere, Pflanzen oder bestimmte Populationen sind. Sie hilft Fachleuten einzuschätzen, wo genauer hingeschaut und besser geschützt werden muss.

Was brauchen wilde Honigbienen?

Dafür gibt es nicht nur eine einzige Antwort. Eine Rolle spielen zum Beispiel geeignete Nistplätze, genügend Nahrung, Krankheiten und Parasiten sowie Veränderungen in ihren Lebensräumen.

Polli fliegt zu einer Blüte. „Und eine Biene braucht nicht nur heute eine Blume.“

Genau. Bienen brauchen über viele Monate immer wieder passende Blüten. Außerdem brauchen wildlebende Völker sichere Orte, an denen sie ungestört nisten können.

Polli dreht noch eine Runde über der Wiese.

Wildlebende Honigbienen brauchen vor allem Ruhe, passende Nistplätze und genügend Nahrung. Wer ein Nest oder einen Schwarm entdeckt, sollte deshalb Abstand halten und die Tiere nicht stören.

Wenn ein Bienenschwarm oder ein Nest an einem problematischen Ort sitzt, kümmern sich Erwachsene und Fachleute darum.



Quelle: Universität Hohenheim – Wildpopulationen der Honigbiene erstmals in der EU auf Roter Liste